Vom Zauber der Kalkmagerrasen

Dieses Jahr läuft ja einiges etwas anders als gewohnt vor allem, was bei vielen Leuten wohl den Urlaub angeht. Auf meinen anstehenden Pfingsturlaub freue ich mich aber schon sehr – auch ohne große Reisepläne. Ich will auf ein Konzept zurückgreifen, dass ich vor zwei Jahren schon mal ausprobiert habe und das mir ausgesprochen gut gefallen hat. Ich habe es damals Orchideenurlaub getauft. Das Prinzip ist ganz einfach: jeden schönen Tag nutzen, um ein paar Naturschönheiten zu besuchen. Ende Mai/Anfang Juni sind das bei uns im Main- und Taubertal vor allem die blühenden Kalkmagerrasen. Auch wenn der Name auf den ersten Eindruck nicht so klingt, Kalkmagerrasen gehören zu den artenreichsten Lebensräumen in Deutschland. Und sie sind einfach zauberhaft mit all ihren bunten tierischen und pflanzlichen Bewohnern und oft leicht mediterranen Flair. Statt Macchia sind es bei uns meist eher Wacholderheiden und die Arbeit der Ziegen und Schafe, die darin besteht die Büsche klein zu halten, übernehmen hier zu Lande auch öfter mal Naturschützer, aber wie im Urlaub fühle ich mich dort trotzdem. Viele Arten, die hier vorkommen, stammen ursprünglich auch aus südlicheren Gefilden und können bei uns nur auf diesen ausgesprochenen Wärmeinseln überleben. Bevor ich euch viel dazu erzähle, seht einfach selbst. Dafür habe ich euch eine kleine Auswahl an Fotos von meinen letzten beiden Ausflügen zusammengestellt.

Der Weg zwischen wogendem Federgras…
führt über die Wacholderheide...
führt über die Wacholderheide
vorbei an verborgenen Schönheiten wie dem Purpur-Knabenkraut…
den zierlichen Blütenständen der Ragwurze
die bei genauem Hinsehen wie kleine Blütenelfen wirken (hier die sehr seltene Hummel-Ragwurz)
oder wie kleine Insektenwesen (Fliegen-Ragwurz)
oder ihrem Namen so gar nicht ähneln wie die Spinnen-Ragwurz
vorüber an den aparten Blütenkerzen der Bocksriemezunge, die nach Ziegenbock riechen soll,
und dem schönen Farbkontrast von zart-pinkem Helm-Kanbenkraut und gelbem Hornklee
hin zu dem vanillig-fruchtig duftendem Diptam
und einer leicht zu übersehenden Rarität, dem Blaugrünen Faserschirm,
begleitet von den wachsamen Augen eines Zauneindechsenmännchens, das die Sonnenwärme genießt.
Schon verblüht sind dagegen die Küchenschellen mit ihren puscheligen Fruchtständen, eine ganz typische Art der Kalkmagerrasen
so wie auch der Blutrote Storchschnabel.
Im Gras knospt neben dem Storchschnabel schon die Pyramiden-Hundswurz, ein recht grober Name für so eine anmutige Orchidee.
Auch das Appeninen-Sonnenröschen ist eigentlich eine mediterrane Art und mit Zistrose verwandt.
Diese Blütenvielfalt lockt natürlich viele Blütenbesucher an, wie hier den Pflaumen-Zipfelfalter.
Und einer darf für mich hier nicht fehlen: der Wiesen-Salbei. Er wächst zwar nicht nur auf Magerrasen, aber für mich hat er eine ganz besondere Bedeutung. Wenn er blüht, dann ist Orchideenzeit.

Und schön Lust bekommen auf einen entsprechenden Pfingstausflug? Die meisten von euch müssen wahrscheinlich noch nicht einmal weit fahren bis zum nächsten Kalkmagerrasen. Außer ein paar Ausnahmen wie den hohen Norden und manche Mittelgebirge gibt es sie nämlich ganz gut über das ganze Land verteilt (siehe hier: https://www.deutschlands-natur.de/lebensraeume/grasland/naturnahe-kalk-trockenrasen-und-deren-verbuschungsstadien-festuco-brometalia/). Ich helfe auch gerne bei der Suche, denn inzwischen habe ich nicht nur in der Landschaft, sondern auch auf Satellitenbildern ein gewisses Auge dafür entwickelt. Und ich finde, es sind Elemente unserer Natur, die wir kennen und lieben lernen sollten. Immerhin sind sie auf unsere Fürsorge angewiesen, da sie ohne Beweidung oder entsprechende menschliche Pflege schnell verloren gehen. Einen Ausflug sind sie auf jeden Fall wert und das nicht nur zur Orchideenzeit. Am besten mit viel Zeit und Ruhe und dem Fotoapparat.

6 Kommentare zu “Vom Zauber der Kalkmagerrasen

  1. 23. Mai 2020 um 13:34

    Hallo Mirjam
    Wieder wunderschöne Fotos. Auf der Deutschlandkarte wohne ich genau in dem großen weißen Fleck ( Nordschwarzwald) Aber wir sind öfters auf der Alb unterwegs und dort gibt es jede Menge Magerwiesen.
    Bei uns im Wald kenne ich ein paar Stellen an denen das Weiße Waldvögelchen wächst-wunderschön.
    Die Sonnenröschen sind zauberhaft.
    Schönes Wochenende und bleibe gesund.
    Claudia

    • mirjam
      25. Mai 2020 um 18:57

      Dafür gibt es bei uns nicht die bunten Bergwiesen wie bei euch, wo es auch immer Sommer noch üppig blüht 😉 Die Weißen Waldvögelein wachsen bei uns auch – sogar im Garten. Dieses Jahr scheint für sie ein besonderes Blühjahr zu sein. Im Wäldchen, wo sonst nur einzelne Standen, blühen sie im Moment zu Dutzenden. Einfach schön!

  2. Astrid
    24. Mai 2020 um 21:58

    Schön 🙂

    • mirjam
      25. Mai 2020 um 18:58

      Danke 🙂

  3. Astrid
    4. Juni 2020 um 22:36

    Hallo Mirjam, nun waren wir auch auf Orchideen-Tour in der schwäbischen Alb und es gab vieles zu sehen! Weißes Waldvögelein, Helm-Knabenkraut und Kuckucksblume. Die Hummel-Ragwurz ist ja wirklich niedlich, ich hoffe, die bekomme ich auch mal zu sehen 🙂

    Liebe Grüße, Astrid

    • mirjam
      5. Juni 2020 um 13:19

      Oh ja, auf der Alb gibt es sicher viel zu entdecken – gerade auch botanisch. Da möchte ich auch gerne mal hin. Die Kuckucksblume habe ich selbst noch nicht gesehen. Sie mag es ja feucht und ohne Kalk, damit hat sie es bei uns in der Gegend eher schwer. Die Weißen Waldvögelein und das Helmknabenkraut scheinen heuer bei uns allerdings ein sehr gutes Jahr zu haben. Und es lohnt sich, immer mal wieder neue Wege zu gehen. Erst neulich haben wir eine Wiese entdeckt ganz in der Nähe eines gewohnten Weges, wo das Helmknabenkraut wirklich zu Hunderten geblüht hat. Und ja, die Hummel-Ragwurz ist einfach niedlich. In die habe ich mich auch auf den ersten Blick verliebt 🙂

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