Summender Balkon: Ein Heim für Bienchen

Keine Sorge, so schlimm hat der Klimawandel bei uns noch nicht zugeschlagen, dass es jetzt schon auf dem Balkon summt. Obwohl ich die Tage tatsächlich schon ein paar Schneeglöckchen entdeckt habe und mir eine kleine schwarze Raupe über den Weg gelaufen ist. Ob die wohl das Insektenäquivalent zum russischen Eisbaden macht? Meine Bienchen auf dem Balkon schlafen jedenfalls noch friedlich in ihren Niströhren. Letztes Jahr haben sie mich allerdings ziemlich überrascht mit ihrem frühen Auftauchen. Eigentlich wollte ich ihr Häuschen wieder oben auf die Pflanztreppe stellen, damit sie den Einflug über die Balkonbrüstung leichter haben. Aber dann waren sie schon unterwegs, bevor ich weder Treppe noch Frühlingsbepflanzung auf dem Balkon hatte. Deswegen will ich dieses Jahr etwas früher vorsorgen und anbauen möchte ich auch. Zu dem Häuschen soll noch etwas Selbstgemachtes aus Pappröhrchen und ein kleiner Beobachtungskasten dazukommen. Außerdem erreichte mich die Frage, worauf man denn bei Bienenhäuschen achten muss. Das habe ich nicht vergessen und möchte euch deshalb hier vor Saisonbeginn ein paar Tipps geben. Ein kleines Bausünden-Suchbild habe ich auch für euch, denn Bausünden gibt es auf dem Markt nicht zu knapp. Und es ist echt schade, wenn jemand mit guter Absicht etwas für die Wildbienen kauft und sie sein Wohnungsangebot links liegen lassen, weil es einfach mehr den Vorstellungen eines Dekodesigners entspricht als denen der Bienchen. Dabei sind einige Arten gar nicht so anspruchsvoll.

Wie wohnen Wildbienen gerne?

Die Frage ist ganz ähnlich wie bei uns Menschen pauschal nicht zu beantworten. Es gibt bei uns mehre Hundert verschiedener Wildbienenarten und jede hat ihre eigenen Ansprüche ans Traumdomilzil. Über zwei Drittel unserer heimischen Wildbienen nistet im Boden. Wer einen Garten hat kann mit lockeren, offenen Fleckchen Erde und kleinen Böschungen Sandbienen & Co. wertvollen Baugrund liefern. Je strukturreicher der Garten, desto mehr Nistmöglichkeiten finden Wildbienen und nicht nur sie. Bienenhotels für die Bodenbrüter gibt es eher nicht zu kaufen. Steilwände aus Löss kann man zwar auch selbst bauen, aber das braucht schon etwas Platz und Know-How. Viel einfacher lassen sich da die Wohnvorlieben der Hohlraum-bewohnenden Arten bedienen. Zu ihnen gehören allen voran die Mauerbienen. Ursprünglich brüteten sie am liebsten in Fraßgängen von Käferlarven in Holz, in waagerechten hohlen Röhren also. Die lassen sich gut mit einem Wildbienenhäuschen nachahmen und diese Bienenarten sind auch sehr anpassungsfreudig. Da tut es auch ein Bohrloch in der Mauer oder wie bei einer Freundin von mir das Lüftungsloch im Fensterrahmen. Auf ein paar Sachen sollte man allerdings achten.

Viele Ansprüche haben Mauerbiene & Co. nicht an ihre Traumwohnungen, aber die, die sie haben, prüfen sie schon sehr sorgfältig.

Mit einem Hartholzblock, ein paar guten Holzbohrern (für splitterfreie Gänge) und Schleifpapier lassen sich da auch selbst schöne Nistgelegenheiten schaffen. Wer handwerklich weniger Aufwand treiben, kann auch Schilfhalme sammeln oder Schilfhalme bzw. Bambus aus dem Baumarkt verwenden. Hier ist nur wichtig, dass die Kanten der Röhren vorne glatt sind und nicht gequetscht, denn egal wo, Splitter und abstehenden Fasern mögen die Bienen gar nicht. Daran können sie sich ihre zarten Flügel verletzen und das wäre das Todesurteil für sie und ihre Brut. Noch einfacher zu Verarbeiten als Schilf und Bambus sind Pappröhrchen mit dem richtigen Durchmesser. Die muss man nur hinten irgendwie verschließen. Aber darüber kann ich euch hoffentlich dieses Jahr noch mehr berichten.

Was die Bienchen gar nicht mögen…

Bambusrohre wären an sich nicht schlecht, aber so viele spitze Fasern wie hier abstehen, schreckt das Bienen eher ab.

Wenn man einen Blick dafür entwickelt hat, wie die Hohlraumbewohner unter den Wildbienen gerne wohnen, wird sicher bald feststellen, dass viele Insektenhotel, wie man sie zu kaufen bekommt, gar nicht den Bienenwohnansprüchen genügen. Bei diesen Bausünden sind allen voran zu nennen:

  • unsauber gebohrte Holzgänge mit Splittern: hier besteht Verletzungsgefahr
  • Löcher mit Rissen: das passiert vor allem, wenn in Richtung der Holzfasern gebohrt wird (sieht man gerne bei Holzscheiben), hier können Feuchtigkeit und Brutparasiten leicht eindringen
  • falsche Lochgröße und Form: Lochziegel z.B. haben oft viereckige, viel zu große Löcher
  • waagerechte markhaltige Stängel: es gibt Wildbienen die gerne in markhaltigen Stängeln wie Brombeere nisten, aber die möchten sie lieber senkrecht haben
  • Kiefernzapfen und Stroh: hier fühlt sich eher die Hausspinne wohl, Bienen besiedeln solche Strukturen nicht
  • „Schmetterlingshöhle“: auch große Hohlräume hinter einer Holzwand mit Schlitz taugen nicht als Bienenbrutplatz, ob wirklich Schmetterlinge dort Zuflucht suchen, kann ich nicht sagen
Hier ist schön zu sehen, dass die Bienen bei ihrer Besiedelung die Löcher mit Rissen meiden.

Und weil es so viele seltsame Dinge zu Kaufen gibt, habe ich hier noch ein kleines Suchbild für euch. Eine Highlight an Wildbienen-No-Gos sozusagen. Wie viele Details, die Bienen gar nicht mögen findet ihr an dem guten Stück?

Was meint ihr, wie viele Bienenhotel-Bausünden sind hier in einem Werk vereint? 😉

Habt ihr selbst schon Erfahrungen mit Bienennisthilfe bei euch gemacht? Oder vielleicht selbst schon eine gebaut? Ich kann es auf jeden Fall empfehlen, etwas bienenfreundliches zu kaufen oder selbst zu bauen. Da lässt sich mit wenig Platz und Aufwand ein schöner Lebensraum schaffen und die Freude an der Beobachtung der emsigen Tierchen bekommt man frei Haus dazu.

4 Kommentare zu “Summender Balkon: Ein Heim für Bienchen

  1. 20. Januar 2019 um 15:41

    Das wird wohl ein Jahr der Wildbienen =) Unterhaltsam zum Sehen finde ich Werner Davids Videos auf YouTube zu der Thematik. Und in dem Suchbild…sind es vier Bausünden?
    1. Es wurde in Hirnholz gebohrt, was zu Rissen führt.
    2. Die Bambushalme dürften auch nicht allzu sauber geschliffen sein und sehen auch nicht allzu rund aus, was die Bienen bevorzugen.
    3. Der „Schmetterlingsschlafplatz“, wird von Faltern wohl eher nicht besucht, manchmal suchen wohl Bienendrohnen unterschlupft (habe ich gelesen, nicht selbst beobachtet).
    4. Die Zapfen- und Strohbeilage hilft den Bienen nicht und auch andere Insekten (das soll ja für Ohrenkneifer sein, glaub ich) finden daran wenig gefallen. Allenfalls nistet sich da mal eine Spinne ein – gefällt wohl eher dem Menschen 🙂
    Oh und vielleicht noch ein 5.: Es wurde Nadelholz verwendet, das solle man nicht benutzen, da es einmal zu schnell schimmelt und die Bienen finden es auch nicht so toll, meine ich.
    Nett gemeint ist ja das Gitter, das soll ja Vögel abhalten. Sieht auf dem Bild allerdings so aus, als wäre es recht nah an den Löchern angebracht, sodass die Tiere immer noch dran kämen.

    Ich freue mich jedenfalls schon sehr auf die kommende Saison!

    • mirjam
      2. Februar 2019 um 18:52

      Bei dir finden die Bienchen ganz bestimmt nur Traumwohnungen, oder? Die Bausünden scheinst du jedenfalls alle zu kennen 😉 Ich bin schon sehr gespannt darauf, von deinen Bienen zu lesen.

  2. 5. Februar 2019 um 8:07

    Oh da wurden ja alle Fehler gefunden. Mein Insektenhotel ist uralt (ca. 20 Jahre) . Damals wurden Lochziegel empfohlen ich habe Stroh und Lehm in die großen Öffnungen gestopft- aber noch nie habe ich auch nur eine Biene dort gesehen. Aber unsere dicken Äste mit Bohrungen werden gut angenommen-aber nur die kleine Bohrungen. Doch diesen Winter sind viel Loch-Wohnungen leider nicht belegt. Aber unser Dachboden ist ein Riesen-Insektenhotel und zwar für die Mörtel-Wespe – die Wespen haben sehr viele Lehmbauten an den Dachbalken befestigt sie sehen wie kleine Amphoren aus. Scheinbar fressen und leben sie von Spinnen .
    Übrigens wieder super Fotos und tolle Detailzeichnungen.
    Liebe Grüße
    Claudia

    • mirjam
      19. Juli 2019 um 11:26

      Ach, das ist doch schön, dass ihr die beste Art von Insektenhotel bei euch ganz ohne Extraaufwand im Dachboden habt. Tatsächlich ist es für viele Tiere ein Problem, dass heutzutage die meisten Häuser extrem gut isoliert und quasi „versiegelt“ sind. Dachböden, Scheunen und Schuppen bieten vielen gute Wohn- und Überwinterungsplätze.

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