Seidige Kunstwerke und inkorrekte Halloweendeko

Auch wenn Halloween schon vorbei ist, hat Iris auf der „Fragen an die Haselmaus“-Seite eine Frage gestellt, die noch ganz gut zur Deko zu diesem Fest passt und auch einfach zur Jahreszeit:

Wie sind die klebrigen Fangfäden zwischen den Speichenfäden gespannt, in einer einzigen großen Spirale oder in einzelnen, abgeschlossenen und immer größeren Kreisen?

Wenn man sich mal die recht übliche Darstellung von Spinnennetzen im Bereich Halloweendeko anschaut, überwiegt dort eindeutig die Variante mit den in sich geschlossenen Kreisen. Wenn man auf ein Spinnennetz im Ganzen schaut, ist es wirklich schwer zu sagen, ob Kreise oder Spirale. Schaut man eine Spinne aber beim Bau ihres Netzes zu, dass sieht man ganz schnell, dass sie ihre Klebefäden spiralförmig an die Speichenfäden heftet. Ich habe zwar schon öfter Spinnen beim Netzbau zugesehen, gerade den kleinen, die gerne zwischen meinen Balkonkästen ihre Netze Spannen. Sie gehen immer nach einem Schema vor. Da es wirklich nicht leicht ist, Spinnennetze ohne Tau zu fotografieren, habe ich mal eine kleine Skizze gemacht. Zuerst spannen sie einen Faden zwischen den zwei oberen Punkten, wo ihr Netz entstehen soll. Dann krabbeln sie in die Mitte dieses Fadens und seilen sich nach unten ab, sodass ein Y entsteht. Diesem Y geben sie erst außen einen Rahmen aus weiteren Fäden, an denen sie dann die Speichen ihres Radnetzes aufhängen. An diese Speichen kommt dann erst einmal eine Hilfsspirale. Bis jetzt sind alle Fäden noch ohne Kleber, d.h. die Mücken müssen sich noch nicht davor fürchten. Erst wenn die ganze Arbeit verrichtet ist, beginnt die kleine Baumeisterin mit der eigentlichen Fangspirale, indem sie die Hilfsspirale meist wieder aufknüpft und verspeist und durch ihre klebrigen Fangfäden ersetzt. Ein ausgeklügeltes System also, das die Radnetzspinnen da für ihre seidigen Insektenfallen entwickelt haben.

Wie Spinnen an die Arbeit gehen

Auch wenn dieses Arbeitsmuster angeboren ist, scheint die Spinne doch eine gewisse Konzentration dafür zu brauchen. Wissenschaftler der NASA haben wohl einmal in einem sehr schrägen Experiment, Spinnen verschiedene psychoaktive Substanzen wie THC, Koffein und andere verabreicht und die Auswirkungen auf den Netzbau beobachtet. Die sonst so zielsicheren Webspezialistinnen versagten gnadenlos und produzierten unterschiedlich schlimm funktionsuntüchtige Netze (eine genauere Beschreibung gibt es z.Bsp. hier). Arme Spinnen. Vielleicht hätte ja eine mit der richtigen Dosis der richtigen Droge auch Kreise statt einer Spirale gewoben 😉

Hier thront eine stattliche Gartenkreuzspinne in ihrem Kunstwerk.

Was ich unbedingt mal beobachten will, ist, ob Spinnen eine Vorzugsrichtung für den Bau ihrer Fangspirale haben. Ob es rechts- und linksdrehende gibt? Die meisten bauen auch von Innen nach Außen, allerdings habe ich das umgekehrte auch schon gesehen. Ob das persönliche Vorliebe ist oder äußeren Faktoren geschuldet? Jedenfalls sehe ich die Spinnwebgruseldeko mit etwas anderen Augen und, auch wenn sie bei vielen Zeitgenossen nicht gerade zu den beliebtesten Tieren gehören und sicher oft ungrechterweise umgebracht werden, sind es eigentlich sehr spannende Wesen.

6 Kommentare zu “Seidige Kunstwerke und inkorrekte Halloweendeko

  1. Iris
    20. November 2017 um 9:07

    Liebe Mirjam,
    wirklich, was für ein ausgeklügeltes Webstück! Die Tatsache, daß die Spinne erst einmal eine nicht klebrige Hilfsspirale fertigt, die dann durch klebrige Fangfäden ersetzt wird, finde ich besonders faszinierend. Klar- sonst würde die Spinne bestimmt erst einmal mit wenigstens einem ihrer vielen Beine selbst haften bleiben. Das heißt aber auch, daß eine Spinne verschiedene Sorten Fäden produzieren kann- echt erstaunlich.
    Einen ganz herzlichen Dank an die Haselmaus 🙂 !

    • mirjam
      21. November 2017 um 17:24

      Gerne doch 🙂 Ausgeklügelt trifft es gut. Ein Kreuzspinnenweibchen kann sogar sieben verschiedene Fadenarten spinnen, für jeden Zweck den Richtigen.

  2. 29. November 2017 um 8:28

    Das habe ich mich schon lange gefragt wie kann die Spinne auf dem Netz laufen wenn alles klebrig ist. Eigentlich logisch, aber wenn die Beute hängen bleibt wie und wo läuft die Spinne darauf zu.
    Ich habe Spinnen auch schon beim Bau eines Netzes beobachtet aber eigentlich haben sie immer von der Mitte nach aussen gearbeitet.
    Cooles Thema , meine Schwiegertöchter und auch meine Tochter kreischen bei der Sichtung dieser Tiere aber meine Enkelin (17 Monate) und mein großer Enkel (4Jahre) haben keine Berührungsangst-Omas Lieblinge. 🙂

    Liebe Grüße
    Claudia

    • mirjam
      29. November 2017 um 17:22

      Das mit der Spinnenangst finde ich sehr faszinierend. Ich frage mich, wie sehr das kulturell bedingt ist. Eigentlich gibt es bei uns ja keine gefährlichen Spinnen und trotzdem viele Menschen, die wirklich große Angst vor ihnen haben. Woran das wohl liegt? Wenn es um die reale Gefahr ginge, müsste man eher vor Bienen Angst haben als vor Spinnen.

      • 29. November 2017 um 22:03

        Im TV wurde mal erklärt, dass das Urinstinkte sind-ok die sind dann bei mir verkümmert.
        🙂

        • mirjam
          3. Dezember 2017 um 17:58

          Erklärungsversuche gibt es viele. Aber seltsamerweise scheint die Spinnenphobie gerade in Länder, wo es zum Teil richtig giftige Spinnen gibt weniger verbreitet zu sein als in westlichen Ländern. Woanders werden Vogelspinnen ja als Delikatesse verzehrt. Das ist eher auch nichts für Leute mit Angst vor Spinnentieren 😉

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Time limit is exhausted. Please reload CAPTCHA.