Summender Balkon: Dynamischer Herrenbesuch

Wie der Goldlack auf meinen Balkon kam, habe ich euch ja schon erzählt. Und bisher habe ich es auf keinen Fall bereut, diesem Einkaufstipp der Mauerbienen gefolgt zu sein. Einerseits blüht er unablässig und duftet wunderbar nach Lakritze, andererseits lockt er viele summende Gäste an. Neben den Gehörnten Mauerbienen (Osmia cornuta) durfte ich an seinen Blüten schon verschiedene Hummelarten und auch Rote Mauerbienen (Osmia bicornis) beobachten.

Auch der Roten Mauerbiene schmeckt der Goldlack.

Und zwar in rot und weiß gleichermaßen 😉

Übrigens gehört der Goldlack (Erysimum cheiri) bei uns zu den ganz alten Gartenpflanzen. Schon im Mittelalter kam er in den Liedern der Minnesänger als Gelbveiglein (= Gelbveilchen) vor und wächst verwildert noch auf so mancher Burgmauer. Schon damals fing man an aus der sonnengelben, kleinblütigen Wildform viele bunte großblütigere Sorten zu züchten, von denen leider einige eher in Vergessenheit gerieten. Die Wildbienen scheinen ihn jedenfalls in allen Farbvarianten, die ich bisher so in der Umgebung entdecken konnte, zu schätzen. Neben Hummeln und Mauerbienen fielen mir schon Anfang April sehr schnelle Brummer an den Blüten auf. Zuerst dachte ich, es seien vielleicht Wollschweber. Nachdem ich mich eine Weile auf die Lauer legte, konnte ich sie aber näher anschauen und sogar fotografieren, was bei der Geschwindigkeit gar nicht so einfach war. Die dynamischen Flieger, die sich da im Kolibriflug an den Blüten gütlich taten, waren männliche Frühlings-Pelzbienen.

Kaum den Finger am Auslöser, schon waren die rastlosen Flieger schon wieder aus dem Fokus…

Doch erwischt 😉

Wie Hummeln auf Speed waren sie unterwegs – nie lange an einer Blüte, aber ich musste auch nie lange warten, bis wieder einer angesaust kam. Ihren zoologischen Artnamen tragen sie sicher zu Recht – Anthophora plumipes, also frei übersetzt etwa pelzbeiniger Blütenwanderer. Tatsächlich fliegen die Männchen dieser Wildbienenart immer die selbe Runde – entweder im oder gegen den Uhrzeigersinn – und immer so getacktet, dass die Blüten sich wieder mit Nektar gefüllt haben, bis sie wieder vorbeikommen. Ein ähnliches Verhalten ist auch von Kolibris bekannt. Neben den Patroullienflügen zu den Futterpflanzen haben sie wohl auch solche, in denen sie regelmäßig potentielle Nistplätze abfliegen. Hinten auf dem Feld habe ich ihnen an einer Ecke mit roten Taubnesseln zusehen dürfen, wie sich die dynamischen Herren dabei ins Gehege kommen und in waghalsigen Flugmanövern jagen.

Hier ist gut zu erkennen, warum die Art die Bezeichnung plumipes, also pezlbeinig verdient hat

Auf jeden Fall ist es sehr kurzweilig, ihnen zuzusehen. Nach den Männchen, die schon Anfang April regelmäßig vorbei kamen, besuchen inzwischen vor allem auch Pelzbienenweibchen den Goldlack. Schade, dass mein Wildbienenhotel nichts für sie ist. Denn ihre Nisthöhlen graben die Pelzbienen am liebsten in Steilwände aus Lehm oder Löss. Aber auch als Blütenbesucher wird es nicht langweilig ihnen zuzusehen. Haltet doch mal Ausschau nach diesen dynamischen Fliegern, dann fallen sie euch bestimmt an vielen Blüten auf.

Sogar das Getreidehähnchen mag den Goldlack.

6 Kommentare zu “Summender Balkon: Dynamischer Herrenbesuch

  1. 24. April 2017 um 15:49

    Liebe Mirjam,
    Es ist toll, dass du diese ganzen Bienenarten bestimmen kannst.
    Da werde ich auch mal darauf achten, welche bienen sich in unserem Garten einfinden.
    Und beim nächsten Gärtnereibesuch werde ich definitiv nach Goldlack Ausschau halten!

    Viele liebe Grüße von Christine

    • mirjam
      24. April 2017 um 17:22

      In deinem Garten gibt es sicher eine ganze Menge verschiedener Wildbienenarten. Wenn man mal darauf achtet, entdeckt man so viele, die einem vorher gar nicht aufgefallen sind. Und den Goldlack habe ich inzwischen wirklich ins Herz geschlossen.

  2. 28. April 2017 um 23:09

    so tolle Fotos. Kompliment das sieht perfekt aus. Ich versuche jetzt auch jede Biene/Wespe zu fotografieren aber…. die Tierchen sind einfach zu schnell 🙂
    Ich musste dieses Jahr neuen Goldlack kaufen, da im Dezember 16 mein Goldlack dachte dass er blühen muss und klar dann ist er erfroren. 🙁 und jetzt im April ist so viel bei mir erfroren- so viel ist kaputt.

    Liebe Grüße
    Claudia

    • mirjam
      1. Mai 2017 um 17:06

      Ja, bei warmem Wetter sind die Tierchen wirklich schnell. Ohne die Spiegelreflexkamera habe ich da auch kaum eine Chance. Und frag nicht, wie viele unscharfe Fotos von Bienenhintern ich schon geschossen habe 😉

      Dein armer Goldlack! Mit den milden Temperaturen im Winter kommen so einige Pflanzen durcheinander. Bei uns hat es die Walnussbäume ganz schlimm erwischt. Die sind ja eigentlich immer recht spät dran, hatten jetzt aber schon erste Blättchen und wollten anfangen zu blühen. Denen hat es alles weggefroren. Mal sehen, wie die Pflanzen weiter damit umgehen.

      • 18. Mai 2017 um 12:42

        Hallo Mirjam
        Ja meinen Walnussbaum hat es auch erwischt. Er treibt ganz langsam neue Blätter. Aber ich glaube zum 1. Mal werde ich keine Walnüsse ernten können.

        Liebe Grüße
        Claudia

        • mirjam
          21. Mai 2017 um 11:04

          Ja, es sieht leider auch bei uns ganz danach aus, dass es heuer keine Walnüsse geben wird. Die ersten Blättchen kommen wieder, aber ob die Bäume sich die Mühe machen noch einmal Blüten anzusetzen?

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