Summender Balkon: Würden Bienen Blumen kaufen?

Neulich auf dem Wochenmarkt hatte ich ein ganz besondere Begegnung. Eigentlich wollte ich gar nichts kaufen, aber als ich durch die bunte Auslage der Blumenfrau schlenderte, fiel mir der eifrige Flugbetrieb an einigen Blüten auf. Der Goldlack summte nur so von Gehörnten Mauerbienen (Osmia cornuta). Diese relativ häufige Wildbienenart erinnert mit ihrem dichten schwarzen Pelz und dem orangerot gefärbten Hinterleib an eine zu klein geratene Steinhummel und ist im zeitigen Frühjahr eine der ersten Bienenarten, die fliegt. Vielleicht könnt ihr schon ahnen, was weiter geschah. Erst musste ich mit dem Smartphone einige Bilder der unerwarteten Marktbesucherinnen schießen und dann konnte ich der Versuchung nicht widerstehen, ein Exemplar dieser hübschen Pflanze zu kaufen. Sogar als ich das Blümchen zur Kasse trug, verfolgten mich noch ein paar Mauerbienen. Hoffentlich würden sie sich auch auf meinem Balkon über die Blüten freuen.

Mitten auf dem Wochenmarkt: Auch die Gehörnten Mauerbienen schwärmen für den Blumenstand.

Würden Bienen also Blumen kaufen? Klar, was denn sonst? Aber was schon an der reichhaltigen Blütenpflanzenauslage der Marktfrau deutlich wurde, ist, dass sie nicht immer unseren Blütengeschmack teilen. Während sie den Goldlack nämlich so eifrig umsummten, ließen sie Osterglocken, Primeln und Co. nämlich links liegen. Während wir Menschen Blüten wohl am ehesten für Farbe und Form und vielleicht auch noch für ihren Duft schätzen, wollen sämtliche bestäubende Insekten natürlich vor allem Nektar und Pollen. Das ist der Jahrmillionen-alte Deal zwischen Blütenpflanzen und ihren Bestäubern: Futter gegen Bestäubung. Auch wenn wir es beim Anblick bunter Blumen vielleicht gerne vergessen, entstand diese ganze Pracht nicht für uns, sondern dafür, den Insekten den Weg zum gedeckten Tisch zu weisen. Allerdings hat der Mensch die schönen Blüten auch für sich entdeckt und schon vor langer Zeit angefangen, sie züchterisch zu verändern – leider nicht immer zum Vorteil von Bienen & Co. Gerade bei gefüllten Blüten sind oft nektar- und pollenbildende Organe der Wildform in weitere Blütenblätter umgewandelt. Das sorgt zwar für ein spektakuläreres Aussehen in unseren Augen und oft auch eine verlängerte Blütezeit, aber leider auch für enttäuschte Blütenbesucher. Die vermuten in den gefüllten Blüten auch erst einmal Nahrung, müssen dann nach eingehender Begutachtung wieder mit leerem Magen abfliegen. Ähnlich ist es bei so mancher exotischen Pflanzenschönheit im Garten. Manches fremdländisches Gewächs wie etwa der Sommerflieder wird zwar gerne angenommen, das gilt aber bei weitem nicht für alle. Wenn ihr euch im Moment mal neben eine blühende Forsythie stellt, werdet ihr schnell bemerken, dass es da nicht summt und brummt. Die hübsche Zugereiste wird nämlich von den meisten Insekten gemieden. Wenn man beim Gärtnern auch auf Bienen, Hummeln und Schmetterlinge Rücksicht nehmen will, gibt es ein paar einfach Regeln, mit denen die Blütenpracht für Mensch und Tier zur Freude wird:

  1. Lieber regional: Natürlich sind unsere Bestäuber auch am besten auf heimische Pflanzenarten eingestellt. Wer nicht nur Wildkräuter im Kasten züchten will, sollte sich erst einmal erkundigen, ob die fremde Schönheit gerne von Bienen und Schmetterlingen angenommen wird. Bei Pflanzen aus dem Mittelmeerraum und solchen, die bei uns nahe Verwandte haben, stehen die Chancen meistens sehr gut.
  2. Lieber einfach als gefüllt: Wie oben erklärt bieten einfach Blüten meist ein reichhaltigeres Nahrungsangebot als gefüllte. Auch wenn die schlichteren Varianten vielleicht nicht so lange blühen, haben viele ihren eigenen Charme, lassen sich oft durch Rückschnitt zu weiterem Blühen bringen oder bilden ansehnliche Fruchtstände. Außerdem lassen sie sich meistens auch einfach in Eigenregie vermehren, so dass man nicht immer wieder Pflanzen nachkaufen muss.
  3. Sommerloch vermeiden: Vom Frühling bis in den Frühsommer blüht es in den meisten Gärten, auf Wiesen und an Wegrändern reichlich. Dann wird gemäht bzw. die meisten Gehölze und viele gängige Gartenpflanzen sind verblüht und die geflügelten Blütengäste gehen leer aus. Dieses sommerliche Nektarloch fürchten sogar die Imker. Mit Pflanzen, die in dieser Zeit blühen, helfen wir Bienen, Hummeln, Schmetterlingen & Co. besonders. Dabei gibt es eine ganze Reihe attraktiver Sommerblüher allen voran fast sämtliche Küchenkräuter. Man muss sie nur ein paar Ästchen nicht beernten und zur Blüte kommen lassen. Auch Ringelblume, Borretsch, Büschelschön, Löwenmäulchen, Malve und Kapuzinerkresse sowie die Trockenheitsspezialisten Fetthenne und Mauerpfeffer bereichern die heißen Tage mit ihren Blüten. Die Auswahl ist also gar nicht so klein und dankbare Abnehmer sind vorprogrammiert.

Auch auf meinen Balkon lockt der Goldlack schnell ein paar Mauerbienen.

Ein bisschen Planung vorm Pflanzen kann den fleißigen Bestäubern also helfen. Allerdings muss man noch nicht einmal dicke Bücher oder unzählige Internetseiten durchstöbern, um tierfreundliche Pflanzen zu finden. Es reicht auch, mal mit offenen Augen durch die Nachbarschaft oder eine Gärtnerei zu gehen. Da sieht man meisten auch recht schnell, auf welche Blumen Bienen und Hummeln fliegen. Und ein kleiner Spaziergang, bei dem man versucht, die Umgebung aus Bestäuberperspektive zu betrachten, kann nicht nur sehr lehrreich sein, sondern einfach auch entspannend. Wollt ihr das mal versuchen? 😉

Auf jeden Fall steckt da ja auch ein Stück Eigeninteresse dahinter. Die Tomaten sollen schließlich nicht nur blühen, sondern auch fruchten. Und was wäre ein Sommer ohne Kirschen und Erdbeeren? Mit dem Goldlack, den ich vorher als Balkonpflanze überhaupt nicht auf dem Schirm hatte, haben mir die Mauerbienen auf jeden Fall einen wertvollen Tipp gegeben. Der erhält inzwischen schon regen Zuspruch. Über den kurzweiligen Herrenbesuch und die anderen Gäste werde ich euch bald mehr erzählen. Die haben nämlich einen eigenen Beitrag verdient 🙂

12 Kommentare zu “Summender Balkon: Würden Bienen Blumen kaufen?

  1. 2. April 2017 um 19:06

    Ein schöner Beitrag der mich daran erinnert, dass ich mich unbedingt näher mit den Wildbienen beschäftigen möchte 🙂 Und der mich erinnert, dass mein Insektenhotel noch gar nicht auf dem Balkon steht. Das wird nachgeholt, aber ganz schnell!

    • mirjam
      6. April 2017 um 15:17

      Na dann nichts wie raus mit dem Insektenhotel auf den Balkon 😉

      Die Beschäftigung mit den Wildbienen kommt dabei bestimmt ganz von selbst – vor allem bei deiner Balkonbepflanzung. Und hier werde ich in nächster Zeit auch noch das ein oder andere über die wilden Bienchen erzählen.

  2. 2. April 2017 um 22:36

    Das ist mal wieder ein informationsgeladener und lehrreicher Beitrag, Mirjam, und noch dazu so unterhaltsam geschrieben – schön! Vielen Dank dafür. 🙂 Mit Goldlack hatte ich ehrlich gesagt noch nie was am Hut, aber den sehe ich jetzt mit anderen Augen. Meinen Schmetterlingsflieder habe ich letzten Herbst wohl zu radikal geschnitten, der ist hinüber. Leider. Es war immer viel los, wenn er geblüht hat, aber gut, es mag schon sein, dass er nicht jedem schmeckt. Fetthenne habe ich jede Menge, die wird im Sommer und Herbst auch immer gern angenommen. Heute habe ich Phacelia und diverse Bauerngarten- und Bienenblumen gesät. Ich bin gespannt, was draus wird; es müsste jetzt mal etwas regnen (leichter Landregen, bitte!). Neulich in der Früh, da war es noch ganz schön zapfig, habe ich eine dicke Hummel im Gipfel der Weidenkätzchen gesehen beim Frühstückholen. Fly in früh am Morgen, ich war beeindruckt. Bienen sind da ja empfindlicher, die brauchen eine gewisse Betriebstemperatur.
    Auf die Geschichten zum Herrenbesuch und die pikanten Details aus der Welt der Insekten bin ich schon gespannt … 😉
    Liebe Grüße und eine gute Woche,
    Doris

    • mirjam
      6. April 2017 um 15:23

      Die Hummeln sind wirklich hart im Nehmen. Die Tage habe ich auch eine fliegen sehen, wo ich in meiner Winterjacke noch gebibbert habe. Die haben ja aber mit ihrer Flugmuskulatur eine absolut geniale Standheizung. Das könnte ich manchmal auch gebrauchen 😉

      Schade, dass dein Schmetterlingsflieder hinüber ist. Den mögen doch fast alle Blütenfreunde gerne, nicht nur die Schmetterlinge. Aber über die Phacelien und anderen Blumen werden sich bei dir sicher auch viele freuen.

  3. 3. April 2017 um 15:42

    Hallo Mirjam
    Sehr guter Beitrag. Meistens denke ich auch an die Insekten aber leider nicht immer. ( Habe mir eine gefüllte Clematis bestellt ) aber ich habe auch viele Wildtulpen Schlüsselblumen und Leberblümchen im Garten. Letzte Woche hat mich auch schon eine Taubenschwänzchen besucht aber die Richtigen waren nicht dabei(sie bevorzugen lange Blütenkelche)
    Wenn ich Biene wäre würde ich mir auch Goldlack kaufen.
    Du erwähnst den Sommerflieder ist der nicht extra attraktiv für Schmetterlinge?
    Eine schöne Woche
    Claudia

    • mirjam
      6. April 2017 um 15:35

      Den Sommerflieder mögen fast alle gerne – Schmetterlinge, Bienen und Hummeln. Bloß die Schmetterlinge fallen wohl am meisten ins Auge. Für das Taubenschwänzchen ist es ganz schön früh. Das gehört ja zu den wenigen Insekten, die sich über Geranien freuen. Solange es auch ein bisschen was anderes gibt, muss man ja kein schlechtes Gewissen haben, wenn man ein paar Zuchtblumen der Schönheit wegen hat. Wenn ich mal einen Garten mit Rankgelegenheit habe, werde ich auf jeden Fall Geißblatt pflanzen. Bei meinen Eltern hatte ich einen Rosenbogen halbe halbe mit Clematis und Geißblatt bepflanzt. So hübsch die Clematis war, mit dem Duft hat sich das Geißblatt zu unserem absoluten Favoriten entwickelt.

      Blühen die Wildtulpen bei dir schon? Bei uns in den Weinbergen gibt es nämlich auch welche, die ich unbedingt mal fotografieren möchte.

      • 6. April 2017 um 18:32

        Ja ein paar sind schon offen 🙂 Das Geißblatt finde ich auch wunderschön aber es wird für meinen kleinen Garten leider zu groß.
        Am Rosenbogen wachsen bei mir auch Clematis und Kletterrose .
        LG Claudia

        • mirjam
          7. April 2017 um 19:38

          Danke für die Info! Da muss ich wohl demnächst mal einen Ausflug in den altfränkischen Weinberg machen.

        • 14. April 2017 um 10:19

          Geißblatt ist was Tolles. Ich habe eins im Garten und bin immer wieder hin und weg wegen dem wunderbaren Duft.

  4. 11. April 2017 um 7:43

    Liebe Mirjam,
    vielen lieben Dank für den Tipp!
    Goldlack hatte ich bisher auch nicht auf dem Schirm!
    Aber die Exemplar auf dem Foto sieht wirklich toll aus!
    Den werde ich mir für den nächsten Besuch in der Gärtnerei merken (und der kommt bestimmt 😉
    Ringelblume ist bereits neu ausgesäht, irgendwann hat das ohne Nachhilfe im Garten nicht mehr so geklappt 🙁
    Der Boretsch vagabundiert selbständig durch den Garten – ja der wird immer eifrig umschwärmt!
    Mauerpfeffer blüht in den Natursteinritzen.
    Gegen das Sommerloch schon mal ein wenig vorgebeugt.
    Ich werde auf jeden Fall nochmal die Augen offen halten, was bei den hübschen pelzigen Fliegern ankommt!
    Ganz liebe Gartengrüße von Christine

    • mirjam
      13. April 2017 um 10:30

      Ja, hübsch ist der Goldlack wirklich und ich kann gar nicht verstehen, dass er mir vorher wirklich nie aufgefallen ist. Den Bienchen scheint die Blütenfarbe übrigens egal zu sein. Sie tummeln sich beim weißen und beim roten gleichermaßen, obwohl er im Original eigentlich gelb ist. Ringelblumen und Borretsch möchte ich dieses Jahr auch gerne haben. Mal sehen, wie die sich im Topf machen.

      • 14. April 2017 um 10:21

        Bei mir vagabundiert der Borretsch auch durch die Gegend. 😉 Jedes Jahr denke ich, oh, da kommt wohl nichts mehr, und dann macht es „Bumm!“ und er ist da. Für die grüne Soße allerdings zu spät, aber die Bienen werden sich freuen. Müsste im Topf auch gehen, nur verpflanzen kann man ihn nicht sooo gut wegen der Pfahlwurzel. Viel Erfolg, Mirjam!

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