Hummelchen in Not

Irgendwann die Tage hatte ich zufällig auf der Nabu-Seite gelesen, wie man entkräftete Hummeln wieder fit bekommt. Eigentlich ging es darum, jungen Hummelköniginnen zu helfen. Denn wer einer Hummelkönigin hilft, kann damit nicht nur sie retten, sondern ihren ganzen zukünftigen Staat. Und so fleißig wie Hummeln auch bei nicht so tollem Wetter bestäuben, darf da für jeden, der sich über eine gute Obst- und Gemüseernte freut, auch ein bisschen Eigennutz dabei sein. Die Zeit der jungen Hummelköniginnen ist jetzt zwar vorbei, aber gerade im Moment sieht man immer wieder vor allem unter blühenden Bäumen viele tote Hummelarbeiterinnen. Dieses sommerliche Hummelsterben liegt nicht etwa daran, dass z.Bsp. die spätblühenden Lindenarten giftigen Nektar produzieren, wie lange Zeit immer wieder zu lesen war. Ganz im Gegenteil, die als Zierbäume gepflanzten Silberlinden stammen zwar nicht aus Mitteleuropa, aber sind mit ihrem reichen Nektarangebot in einer Hungerperiode eine willkommene „Tankstelle“. Leider sind viele der dort ankommenden Hummeln schon so geschwächt, dass sie eben sterben, bevor sie sich wieder satt gesaugt haben. Und wo sich viele Hummeln auf einem Fleck aufhalten, findet man dann eben auch dementsprechend viele, die es nicht mehr geschafft haben.

Aber warum herrscht im Hochsommer für die Brummelchen eigentlich Hungersnot? Jetzt blüht doch alles, oder? Das liegt nicht alleine an der Jahreszeit, sondern der Mensch hat auch seinen Anteil daran. Grünstreifen mit blühendem „Unkraut“ werden gemäht. Selbst da, wo in der Landwirtschaft noch alles mit rechten Dingen zugeht, ist jetzt Erntezeit. Bei uns hinten auf dem Feld zum Beispiel ist mir dieses Jahr aufgefallen, dass manche Rapsfelder offenbar wenig mit Herbiziden behandelt wurden. Am Rand blühten Ackerstiefmütterchen, Ochsenzunge, Mohn- und Kornblumen und über den reifenden Raps wanden sich üppig wuchernd die Vogelwicken. Ein Paradies für alle Blütenbesucher. Der Raps wird gerade geerntet, die Wiesen gemäht. Da bleiben nicht viele Nektarquellen. Obendrein geht der Trend in vielen Parks und Gärten schon lange zu immer großblütigeren und farbenprächtigen Neuzüchtungen, die leider oft weniger Nektar produzieren. Schlecht für die Hummeln also, vor allem wo sie im Gegensatz zu den Honigbienen keine Nektarvorräte anlegen, mit denen sie über knappe Zeiten kommen könnten. Als Gärtner kann man den fleißigen Brummer recht einfach helfen. Dafür reicht sogar ein Fensterbrett. Bei mir auf dem Balkon herrscht im Moment regen Hummelflugverkehr. Die zwei Basilikumpflanzen hatte ich irgendwie nicht viel beerntet und jetzt blühen sie fleißig. Sieht auch hübsch aus und die Hummeln und Bienen freuen sich drüber. Das gleiche gilt übrigens für viele Küchenkräuter wie Thymian, Bohnenkraut, Lavendel, Rosmarin oder Minze. Sie gehören alle zur Familie der Lippenblütler und sind damit absolute Hummel- und Bienenlieblinge.

In der Brötchentüte unterwegs, die etwas schlappe Steinhummel.

In der Brötchentüte unterwegs, die etwas schlappe Steinhummel.

Und was macht man, wenn man doch einmal eine Hummel in Not findet? Auch wenn man keine passenden Blüten zur Hand hat, etwas Zucker und Wasser tun es auch. So ging es mir diese Woche, als ich ein Prachtexemplar von Steinhummel auf dem Gehweg herumlaufen sah. Laufen sollte ja nicht die normale Fortbewegungsart von Hummeln sein, aber die Gute war einfach zu schwach zum Fliegen. Zuerst nahm ich die auf die Hand und wollte sie auf die nächste passende Futterstelle setzen. Tja, da erkannte ich ihr Problem. Trotz Gärten ringsumher waren da einfach keine guten Hummelblüten. Also packte ich sie in eine leere Brötchentüte, um sie daheim etwas aufzupeppeln. Ich musste schon etwas schmunzeln, als die Frau, die mit mir im Aufzug fuhr, immer wieder etwas irritiert in Richtung der brummenden Tüte schaute, aber sich wohl nicht traute zu fragen. Zuhause holte ich dann erst mal den Zucker aus dem Schrank. Das Rezept ist ganz einfach: Einen halben Teelöffel Zucker nehmen und auf dem Löffel mit etwas lauwarmem Wasser vermischen. Wenn man Geduld und etwas Glück hat, trinkt die Hummel das Zuckerwasser direkt vom Löffel. Meine lief zwar recht aktiv umher, aber vom Löffel wollte sie den Nektarersatz nicht. Auf meiner Hand war es ihr schon lieber, aber noch besser waren die mit ein paar Tropfen Zuckerwasser „gepimpten“ Studentenblumen. Damit war sie voll auf zufrieden und hat sich gut vollgetankt.

Von der Hand hat sie das Zuckerwasser schon gerne geschleckt...

Von der Hand hat sie das Zuckerwasser schon gerne geschleckt…

... aber die mit Zuckerwasser aufgewertete Blüte war ihr noch lieber.

… aber die mit Zuckerwasser aufgewertete Blüte war ihr noch lieber.

Für den Abflug hat es am Abend trotz einer ordentlichen Portion Zuckerwasser leider doch nicht ganz gereicht.

Für den Abflug hat es am Abend trotz einer ordentlichen Portion Zuckerwasser leider doch nicht ganz gereicht.

Für den Abflug hat es vorerst leider noch nicht gereicht. Die Sonne war auch inzwischen schon untergegangen. Eine Weile lang saß sie noch auf meiner Hand, hat sich ausgiebig ihren schwarzen Pelz, den Rüssel und die Beinchen geputzt. Dann kroch sie zwischen meine Finger und wollte dort wohl übernachten. Behutsam setzte ich sie in einen Balkonkasten, wo sie sich zwischen den Zweigen des Rosmarins versteckte und auf den nächsten Morgen wartete. Kurz vor Sonnenaufgang war sie dort auch noch zu finden, aber offenbar hatten Zuckerwasser und die Wärme des neuen Tages ausgereicht, um sie weiter fliegen zu lassen. Leider konnte ich ihren Abflug nicht beobachten, aber ich hoffe einfach, dass sie den Weg in ihr Nest gefunden hat.

Linktipps:
Starthilfe für Hummeln
Sommerliches Hummelsterben

Und noch eine ganz bezaubernde Seite möchte ich euch ans Herz legen, nämlich die Hummelfotografin. Da gibt es wunderschöne Hummelbilder und bei allen Hummelfragen schnelle und kompetente Hilfe.

4 Kommentare zu “Hummelchen in Not

  1. 31. Juli 2016 um 17:15

    Hallo Mirjam,
    und wieder ein gutes Werk, sehr gut. 🙂 Ich habe gerade gestern genau zum gleichen Thema einen Artikel im Newsletter von Kraut & Rüben gelesen und mir gedacht, dass ich mir das merken muss. Wir sehen in unserem Garten relativ viele Hummeln, und sie sollten auch genug an Blütenmaterial finden, hoffe ich. Aber es stimmt schon, daußen werden die Blüten immer weniger. Bei der Hummelfotografin schaue ich auch wieder vorbei, ich hatte den Link verloren. Danke Dir!
    Liebe Grüße,
    doris

    • mirjam
      1. August 2016 um 19:18

      Wie schön, dass ihr so einen Hummelgarten habt. Gestern kam ich auch an einem Gartenstück vorbei, das voller Blüten war. Hummeln, Schmetterlinge und ganz viele andere Blütenbesucher tummelten sich da. Eine richtige Augenweide!

  2. 3. August 2016 um 20:01

    Hallo liebe Mirjam,

    sehr gut möglich, dass du einer Steinhummeljungkönigin unter die Flügel gegriffen hast. Schön, dass es Menschen wie dich gibt, die auch einen Blick für die kleineren Lebewesen haben – und auch für ihre Nöte. Gut, dass du in deinem Artikel auf die fehlende Nahrung für die Hummeln gerade in den Monaten Juli und August hingewiesen hast. Das ist leider vielen Menschen überhaupt nicht klar. Und wie du ganz richtig schreibst: Mit ein bisschen gutem Willen ist es für uns alle möglich und einfach, den Hummeln (und anderen Wildbienen und Insekten) Nahrung zu bieten. Und sie geben doch so viel zurück.
    Die Frau im Aufzug und die brummende Brötchentüte – ein wunderbares Bild vor meinem geistigen Auge.

    Liebe Grüße,
    Petra

  3. 4. August 2016 um 20:30

    Hallo Mirjam
    Auch ich liebe diese freundlichen dicken Brummer. Mein Garten und mein Äckerle sind voll mit Nahrungsquellen für die Insekten. Dieses Jahr habe ich sogar meinen überwinterten Mangold blühen lassen, zuerst eigentlich nur für die Insekten aber jetzt auch für mich (Blumensträusse) und auch meine blühende Kräuter werden sehr gerne von den Hummeln angeflogen. Auf den Link freue ich mich schon, vielleicht erfahre ich welche Hummeln bei mir vorbeischauen.

    Liebe Grüße
    Claudia

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