Mögen Regenwürmer eigentlich Regen?

Freut er sich über den Regen oder nicht?

Freut er sich über den Regen oder nicht?

Neulich wurde ich vormittags nach einer nicht so kalten, regnerischen Frühlingsnacht beim Weg durch’s Dorf Zeuge eines wahren Regenwurm-Exodus. Schade, dass ich nichts zum fotografieren dabei hatte. Auf einer Straße, die an einer Seite an eine Wiese grenzt, krochen wirklich unzählige Würmer herum. Man musste richtig aufpassen, wohin man seine Schritte setzt. Viele hatten leider schon ungesunde Bekanntschaft mit Autos und Fahrrädern gemacht. Was aber trieb die Regenwürmer dazu, derart massenhaft die schützende Erde zu verlassen? Zu meinem letzten Beitrag, bei dem ich einem Regenwurm wohl eher fälschlich zugeschrieben hatte, dass er sich über den regen freut, hatte Claudia ganz treffend die Frage gestellt, ob Regenwürmer den Regen überhaupt mögen. Und wie so oft, geht die Meinung der Gelehrten da sehr auseinander. Sicher ist, dass Regenwürmer eigentlich unter der Erde am besten aufgehoben sind. Da ist ihr Name zum Beispiel im Englischen (earth worm) oder Französischen (ver de terre) vielleicht passender gewählt. Ob das deutsche Regenwurm tatsächlich vom Regen kommt, scheint auch nicht ganz klar. Manche führen es auf die Bezeichnung reger (=fleißiger) Wurm zurück, weil die unermüdlichen Bodenbewohner immer am Schaffen sind.

Auf jeden Fall drohen ihnen auf der Erdoberfläche viele Gefahren. Wer nicht auf der Straße überfahren wird, dem lauern hungrige Schnäbel auf oder ein falsch gewählter Weg führt in den Trockentod. Auch ohne Feinde und bei genügend Feuchtigkeit kann der Ausflug aus der Erde schnell tödlich enden. Unseren Regenwürmern fehlen nämlich die Pigmente, um ihr Gewebe vor UV-Strahlung zu schützen. Trotz Regenwolken können sie also an den Schäden der Sonnenstrahlung sterben. Nur eines tun Regenwürmer entgegen der landläufigen Meinung nicht so schnell: Ertrinken. Das haben Forscher tatsächlich im Labor getestet. Regenwürmer halten es offenbar wochenlang unter Wasser aus, ohne Schaden zu nehmen. Auf feuchten Auwiesen und in überschwemmungsgefährdeten Gebieten ist das durchaus von Vorteil. Warum kommen sie dann also aus dem Boden, wenn es anfängt zu regnen? Die Angst vorm Ertrinken in den eigenen Tunneln kann es dann ja nicht sein. Diese Frage hat die Wissenschaft noch nicht abschließend geklärt, wie es so schon heißt. manche Vermuten, dass das Trommeln der Regentropfen dem Geräusch von futtersuchenden Maulwürfen ähnelt und die Würmer in Panik an die Erdoberfläche fliehen. Ob das so sinnvoll ist? Jedenfalls nutzen Angler diesen Trick wohl gerne, um sich ihre Köder aus dem Boden zu trommeln. Übrigens nur eine von vielen Methoden. Andere verwenden Elektroden, mit denen Spannungspulse durch die Erde geschickt werden, oder Senfmehl.

Das ist übrigens der dickste Regenwurm, der mir je begegnet ist, getroffen auf dem Mount Taranaki in Neuseeland. Von der Dicke her konnte er mit einem gestandenen Männerfinger mithalten.

Das ist übrigens der dickste Regenwurm, der mir je begegnet ist, getroffen auf dem Mount Taranaki in Neuseeland. Von der Dicke her konnte er mit einem gestandenen Männerfinger mithalten.

Eine der momentan am stärksten favorisierten Theorien ist, dass die Würmer nur bei feuchtem Wetter außerhalb der Erde wandern können. Auch wenn sie sich unermüdlich durch die Erde wühlen, kommen sie auf der Oberfläche wohl etwas schneller voran, um neue Lebensräume zu besiedeln. Für diese These spricht wohl, dass sich Regenwürmer vor allem im Frühling vom Regen an die Oberfläche locken lassen und dann zum Teil in großen Mengen herumwandern. Aber wie gesagt, so sicher ist sich da noch keiner. Anders als das, was mit einem zerteilten Regenwurm passiert. Früher wurde uns ja erzählt, dass daraus zwei Regenwürmer werden. Das stimmt leider nicht. Es gibt zwar primitivere Wurmarten, die das tatsächlich können, unsere Regenwürmer gehören aber nicht dazu. Bei ihnen passiert etwas ganz anderes, nicht weniger kurioses. An der Schnittstelle wächst jeweils ein Hinterende nach. Wenn der Wurm Glück hat und in einem Teil der Kopf, alle lebenswichtigen Organe und ein ausreichend langes Stück Darm vorhanden sind, kann er damit weiterleben. Sein anderes Teil muss leider verhungern, denn im Tierreich kommt ein Wesen mit zwei Hinterteilen leider nicht so weit 😉

4 Kommentare zu “Mögen Regenwürmer eigentlich Regen?

  1. 23. Mai 2016 um 22:46

    Hallo Mirjam

    Toller Bericht ,ich lag bisher immer falsch ( Ertrinken) aber das mit den Maulwürfen kann ich mir nicht vorstellen, dann würde das Klopfgeräusch doch nicht von oben kommen sondern von unten oder seitlich. Das Wandern beim Regen klingt für mich am logischten vielleicht so ähnlich wie bei den Schnecken.
    Aber so toll , dass du so viel recherchiert hast.
    Danke
    Liebe Grüße
    Claudia

    • mirjam
      24. Mai 2016 um 17:21

      Und toll, was nicht so alles wissenschaftlich untersucht wird 😉

  2. 24. Mai 2016 um 9:18

    Hallo Mirjam.

    SOLLTEN die Regenwürmer Regen mögen, dann wären Sie hier bei mir im Paradies!
    Interessanter Beitrag! Ich habe mir über Regenwürmer noch nie Gedanken gemacht. Aber jede Tierart ist interessant!

    LG

    Axel

    • mirjam
      24. Mai 2016 um 17:24

      Das stimmt, was interessantes gibt es bestimmt über jede Art zu erfahren. Ich drücke dir echt die Daumen, dass bei euch nicht nur die Schnecken Freude am Sommer haben!

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