Hummelchen, flieg!

Gestern Abend im kühlen Treppenhaus stolperte ich mit einer Freundin über eine Hummel. Zuerst dachten wir, sie wäre tot, aber als ich sie mit dem Finger antippte, ließ sie ein empörtes Brummen ertönen und stellte ihre Beinchen in Drohhaltung. Zum Fliegen war sie zu klamm, also nahmen wir sie mit in die Wohnung.

In der warmen Stube wachte die Hummelkönigin bald wieder auf.

In der warmen Stube wachte die Hummelkönigin bald wieder auf und protestiert heftig gegen ihr vorübergehendes Gefängnis.

Nachdem sie im Warmen schnell ihre Aktivität wieder fand, bekam sie zur Stärkung etwas Zuckerwasser (Das Rezept hatte ich auf diesem wunderschönen Hummel-Blog gefunden) und bei mir auf dem Balkon einen kleinen Karton mit Stroh als Nachtquartier. Am nächsten Morgen saß sie noch schlafend da. Als ich Mittags wieder heim kam, war sie ausgeflogen. Hoffentlich findet sie ein schönes Nest und gründet ein großes Hummelvolk.

Hier schläft sie noch friedlich in der kühlen Morgenstunde.

Hier schläft sie noch friedlich in der kühlen Morgenstunde.

Im Moment kann man die ersten Hummelköniginnen auf der Suche nach geeigneten Nisthöhlen sehen. Dabei fliegen sie knapp über dem Boden im Zickzack hin und her. Unsere Hummel war wohl eine Königin der Dunklen Erdhummel (Bombus terrestris), die zu den häufigsten Hummelarten bei uns zählt und auch mit am frühsten im Jahr fliegt. Am liebsten legen sie ihre Nester in Mäuse- oder Maulwurfshöhlen an. Dabei wird auch schon mal ein Mäuschen obdachlos, denn die harmlos wirkenden Brummer verstehen keinen Spaß, wenn es um ihr zukünftiges Volk geht. Und wer ihnen im Garten gerne eine Bleibe bieten will, kann auch entsprechende Hummelkästen aufstellen, deren Aufbau her ein Mäuseloch imitiert. Von der Bestäubungsleistung her sind Hummeln nämlich spitze und werden sogar in Treibhäusern eingesetzt. Sie fliegen schon bei wesentlich niedrigeren Temperaturen und schlechterem Wetter als Bienen und vor allem bei Tomaten und Paprika sind sie als „Vibrationsbestäuber“ wesentlich effizienter als andere Blütenbesucher. Ein Grund mehr für mich auf ein Wiedersehen mit den Töchtern unserer Besucherin zu hoffen 😉

5 Kommentare zu “Hummelchen, flieg!

  1. Astrid
    28. März 2015 um 21:26

    Schön, dass sie überlebt hat 🙂

  2. 29. März 2015 um 21:29

    Hallo Mirjam,

    wie schön, dass du die Erdhummelkönigin gefunden hast. Ja, das war eine Bombus terrestris Königin. Und Hummeln sind wirklich wunderbare Tiere – und wie du richtig geschrieben hast, sehr, sehr nützlich. Und sie brauchen unsere Hilfe, was Trachtpflanzen (also Nahrung) und Wohnraum (zum Beispiel Hummelkästen) angeht.

    Viele Grüße
    Petra

    • mirjam
      31. März 2015 um 21:15

      Oh ja, Hummeln sind wirklich toll. Zum Glück scheinen sie bei uns in den alten Weinbergsmauern und auf den Streuobstwiesen noch eine relativ heile Hummelwelt zu haben. Die Weinlage in unserem Ort heißt sogar Hummelberg 😉 Aber trotzdem möchte ich mit meiner Balkonbepflanzung auch wieder was für die Brummerchen tun. Ich schaue ihnen so gerne zu und um meine Tomatenernte brauche ich mir wegen ihnen auch keine Sorgen zu machen. Vielleicht kriege ich ja ein paar so schöne Hummelfotos wie du 😀

  3. Bernd
    30. März 2015 um 8:37

    Hallo, liebe Mirjam,

    danke für Deine Hummel-Geschichte (und bei der Gelegenheit für alle anderen „Haselmäuse“). Sie kam passend: Samstagmorgen schwirrte die erste „Brummsel“ bei uns im Garten herum.

    LG
    Bernd

    • mirjam
      31. März 2015 um 21:17

      Gerne 😀 Die lieben Brummseln sind echt unverdrossen. Heute kam mir sogar am Bahnhof trotz Sturm und Regen eine entgegen geflogen.

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