Auch Meister üben

Ein Meistersänger bei der Arbeit

Ein Meistersänger bei der Arbeit

Wenn man im Moment an etwas wärmeren, sonnigen Tagen mit offenen Ohren durch Gärten, Parks und Gehölze geht, kann man Amselmännchen bei ihrem leise-schwätzenden Übungsgesängen lauschen. Während die Meisen schon bei den ersten Sonnenstrahlen mit ihrem vollen Gesangprogramm loslegen, steigen die schwarzgefiederten Sänger langsam ein. Subsong wird diese Gesangsart in der Fachsprache genannt und fasst alles zusammen, was zwar nicht der volle Reviergesang einer Vogelart ist, aber eindeutig Gesang und kein Ruf. Bei Jungvögeln vom Vorjahr scheinen diese Subsongs wirklich eine Art Übung und Vorbereitung auf den späteren Reviergesang zu sein. Allerdings zwitschern auch Altvögel auf diese Weise verhalten vor sich hin, leise stimmen sie Melodieteile des Vollgesang an unterbrochen von anderen Passagen, teilweise stockend, als hätte der Sänger gerade vergessen, wie es weitergeht. So wie jemand, der ein Liedchen vor sich hin singt, selbstvergessen und ohne Zuhörer. Wozu diese Verhaltensweise bei erwachsenen Singvögeln dient, ist bisher unklar, obwohl die meisten Arten ihn zeigen. Das Zuhören macht trotzdem Spaß, weil es eine ganz andere Seite zeigt als der Reviergesang aus voller Kehle. Und auf jeden Fall gibt es schon einen kleinen Vorgeschmack auf das Konzert, das uns im Frühling erwartet.

6 Kommentare zu “Auch Meister üben

  1. Astrid
    19. Januar 2015 um 21:34

    Liebe Mirjam,

    das ist wirklich ein sehr spannender Bericht! Das erinnert mich an dieses furchtbare Amselmännchen, das im Sommer auf dem Baum vor unserem Büro sein Revier hatte und so laut geschwätzt hat, dass es uns damit am Arbeiten gestört hat – der Vollgesang, wie ich jetzt weiß 🙂

    ein ganz lieber Gruß,
    Astrid

    • mirjam
      19. Januar 2015 um 21:45

      Oh ja, wenn die mit dem Vollgesang richtig loslegen, sind sie ganz schön laut. Letzten Sommer hat mal ein Zaunkönig vor meinem Schlafzimmerfenster früh morgens seinen Gesang angestimmt. Da bin ich fast aus dem Bett gefallen, so laut war das aus der Nähe. Aber unseren persönlichen Minnesänger auf dem Balkon (die Amsel auf dem Foto) mag ich sehr gerne. Mir kommt es vor, als würde er jedes Mal ein neues Lied singen, so variabel sind seine Strophen.

  2. Maren
    2. Februar 2015 um 10:13

    Das ist interessant! Ich höre manchmal nachts eine Amsel singen, weit nach Mitternacht. Die Straßen der Stadt sind ausnahmsweise mal ruhig und leer, kann das etwas damit zu tun haben? Es ist aber eindeutig kein Geschwätz, sondern Gesang. Kriege schon Frühlingsgefühle, wenn ich sie (oder ihn) singen höre…

    • mirjam
      2. Februar 2015 um 17:16

      Vielleicht hat eure Amsel schon richtige Frühlingsgefühle. Gerade in Städten fangen sie oft früher an zu singen und, wo tagsüber viel Lärm ist, wird öfter beobachtet, dass manche Vögel mit ihrem Gesang auf die Nacht ausweichen. Wir haben auch so ein Rotkehlchen in der Nachbarschaft, das gerne nachts singt. Durch die Straßenlaternen wird es ja abends nicht richtig dunkel. Die Vögelchen wissen die Vorteile der Zivilisation eben auch zu nutzen 😉

  3. Annika
    6. Februar 2016 um 9:43

    Miriiiii, heute früh um halb 6 bin ich das erste Mal dieses Jahr vom Gesang einer Amsel geweckt worden. Trotz Uhrzeit habe ich mich so gefreut. Endlich! Das ist mein persönliches Vorfrühlings-Zeichen <3

    • mirjam
      8. Februar 2016 um 16:38

      Oh ja, sie fangen langsam wieder an. Die Meisen sind bei uns auch schon voll dabei 🙂

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