Ein Paradies hinter Gittern

Vor etwas 80 Millionen Jahren trennte sich Zealandia von den anderen Kontinenten ab. Heute ragen nur etwa 10% dieses Kontinents aus dem Pazifischen Ozean und bilden die Inseln Neuseelands. So lange vom Rest der Welt isoliert hat sich eine einzigartige Fauna und Flora entwickelt. Anders als bei uns, wo die Säugetiere das Land maßgeblich mitbeherrschen, war Neuseeland das Land der Vögel. Außer Fledermäusen und Robben gab es weder Säuge- noch Beuteltiere, bis der Mensch welche mitbrachte. So wurden sämtliche ökologische Nischen von Vögeln erobert. Da es nicht einmal Schlangen gab, waren die wenigen Raubtiere, die sich entwickelten, auch alle Vögel. Gefahr war also nur aus der Luft zu erwarten. Das führte dazu, dass viele Vogelarten auf dem Boden brüteten und manche sogar ihre Flugfähigkeit verloren wie der Kiwi. Seine Verhaltensweise, bei drohender Gefahr einfach wie versteinert stehen bleiben, stammt noch genau aus jener Zeit. Bei Raubvögeln mag sie dem Kiwi helfen, für Hunde, Katzen oder Marder macht sie ihn zu einer leichten Beute und Ratten freuen sich über die Eier in Bruthöhlen und Bodennestern. Wo man in Neuseeland also ein Stück ursprüngliche Natur erhalten oder wieder herstellen will, muss man erst einmal alle Säugetiere aussperren.

Der Zaun durch den Urwald

Der Zaun durch den Urwald

Der Zaun der sich hier durch die Landschaft zieht, erinnert zwar stark an die ehemalige Zonengrenze, ist aber nichts anderes als der Versuch, im Herzen Wellingtons ein kleines Paradies für Neuseelands ursprüngliche Tierwelt zu schaffen. Zealandia heißt dieses Naturschutzgebiet im abgeriegelten Tal. Wer herein will, muss durch ein doppelte Sicherheitsschleuse und erst einmal alle Taschen ausleeren, damit sich nicht doch eine Ratte oder Maus mit hinein schmuggeln kann. Der Zaun wurde extra mit den verschiedensten Säugetierarten getestet. Mit Erfolg. Denn er scheint bis jetzt zu halten, wofür er konstruiert wurde, und die einheimische Tierwelt hat hinter ihm einen sicheren Rückzugsort.

Interessante und seltene Wesen kann man hier mit etwas Geduld beobachten. Die Takahe, große zutrauliche Rallenvögel, galten schon einmal als ausgestorben, bis man 1948 eine letzte Population von ihnen in einem abgelegen Tal der Südinsel entdeckte. Durch intensive Zucht- und Schutzbemühungen gibt es inzwischen wieder über 200 Exemplare, einige davon auch in Zealandia. Die sind nochmal extra in einem gesicherten Gehege und mit ihren Antennen offenbar alle per Funk ansteuerbar.

Takahe - ein zutraulicher Antennenvogel

Takahe – ein zutraulicher Antennenvogel

Guck mal, wer da guckt.

Guck mal, wer da guckt.

Ähnlich zutraulich, aber zum Glück nicht ganz so gefährdet sind die Kakas, die lustigen Waldpapageien. Gesellig, laut und immer für ein Spielchen zu haben, das sind echte Papageien. Und knifflige Futter- und Wasserspender lieben sie natürlich auch.

Ein Kaka beim Futtern

Ein Kaka beim Futtern

Und der hat richtig Durst

Und der hat richtig Durst

Und der fühlt sich bei den Waldpapageien auch wohl

Und der fühlt sich bei den Waldpapageien auch wohl

Glücklicherweise sind nicht alle einheimischen Vögel in Neuseeland selten oder vom Aussterben bedroht. Einer, der sich sehr gut an die Nachbarschaft des Menschen gewöhnt hat, ist der Tui. Seine Leibspeise ist Nektar. Da es ursprünglich keine Bienen und Hummeln in Neuseeland gab, wurde auch die Bestäubung von Vögeln und anderen Tieren wie sogar einer Fledermausart übernommen. Da Vögel mehr auf optische Reize gehen, duften die meisten auffälligen exotischen Blüten gar nicht oder nur schwach. Schade für uns, aber gut für den Tui.

So laut und einfallsreich wie der Tui singt bei uns kaum ein Vogel

So laut und einfallsreich wie der Tui singt bei uns kaum ein Vogel

1 Kommentar zu “Ein Paradies hinter Gittern

  1. 8. Dezember 2014 um 20:27

    Hallo Mirja.
    Ein sehr interessanter Bericht. Wieder was dazu gelernt.
    Das es einen Zaun gibt, der durch einen Urwald führt, hatte ich bis jetzt noch nicht gewusst 🙂
    Aber erfüllt ja seinen Zweck.

    LG

    Axel

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